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18
06
2018

2001 gehörte Bernd Löschner (4.v.l.) zu den fünf Läufern die mit Rektor Prof. Karl Ulrich Meyn, Dr. Hans-Georg Kremer, dem Thüringer Finanzminister Andreas Trautvetter und dem Institutsdirektor der Sportwissenschaft Prof. Reinhard Blickhan die 5-Kilometerstrecke beim Jenaer Kernberglauf aus der Taufe gehoben haben. Foto: Fotosammlung Kremer.

Ein Rennsteigschlüpfer für die Postfrau – Dr. Hans-Georg Kremer

By GRR 0

Einer der letzten Beiträge in unserer Serie beschäftigte sich mit dem „Damenslip für Rennsteigläufer“. Zu diesem gab es eine unerwartet hohe Zahl von Zuschriften.

Viele Rennsteigläufer suchten ihr „Devotionaliensammlung“ durch, um den Schlüpfer zu finden, den sie beim Rennsteiglauf in den 1980er Jahren erstanden hatten. Dabei entdeckten sie auch das eine oder andere kuriose Rennsteiglauf-Souvenir, über welches in Zukunft noch zu schreiben sein wird.

Ein kleines Team von Läuferinnen und Läufern vor allem von der Hochschulsportgemeinschaft Jena (HSG, heute USV), welches zum Bereich „Agitation und Propaganda“ des Rennsteiglauf-Organisationskomitees gehörte, traf sich regelmäßig in der vormaligen HSG-Wanderhütte in Obergneus um Souvenirs zu entwickeln und vor allem zu versenden, damit der Lauf in den schwierigen Anfangszeiten finanziell sicher durch alle Klippen der DDR-Wirtschaft kam.

Fast alle Souvenirs konnten mit Gewinnen abgesetzt werden, bis auf eine Porzellanplakette mit dem Portrait von Johann Christoph Friedrich GutsMuths. Diese brachte die Organisatoren zeitweilig fast in Zahlungsschwierigkeiten, was aber später noch mal beschrieben werden soll.

Heute ist diese Plakette eine Sammlerrarität und fand Aufnahme in einem in Österreich kürzlich erschienenen Katalog „Porzellan-Medaillen aus DDR Manufakturen“ von Carla und Christian Beer sowie Henning Huschka. Huschka, der schon an verschiedenen Fachpublikationen beteiligt war, lebt heute in St. Valentin (A) und ist in Brandenburg aufgewachsen. Aus beruflichen Gründen hat es ihn Anfang 1991 nach Österreich verschlagen. Von Kind auf Sammler hat er zuerst alle möglichen Münzen und später Papiergeld zusammengetragen.

Um 1990 brachte ihn der Zufall, seine Mutter schenkte ihm eine Porzellanplakette aus der Pionierrepublik Wilhelm Pieck, zu den Porzellanplaketten, die seitdem seine größte Leidenschaft sind. Er besitzt wohl eine der größten Sammlungen zu Altdeutschland, dem Deutschen Reich und der DDR. Kleine Thüringer Hersteller haben ihn besonders fasziniert. Herausgegeben meist als Teilnehmermedaille sind unter den vielen Plaketten zum Thema Sport aus der Region um Jena der Holzlandlauf, der Hermsdorfer Sommernachtslauf und der Kahlaer Porzellinerlauf verzeichnet.

In dem Katalog sind insgesamt etwa 740 Plaketten aufgeführt davon ungefähr 100 mit sportlichen Motiven. Von 1945 bis 1990 gab es fast 50 Porzellanmanufakturen und Fabriken vor allem in Thüringen, die solche Erinnerungsstücke produzierten.

Der Rennsteiglauf konnte trotz des einmaligen Misserfolges beim Verkauf der GutsMuths-Plakette insgesamt beim Souvenirverkauf auf eine gesicherte Einnahme bauen, was anfangs u. a. Dieter Blechschmidt, Rüdiger Grunow, Gerhard Rötzschke, Gunda und Hans-Georg Kremer, Rainer Schmidt, Dieter Weber, Wolf-Dieter Wolfram, Jens Wötzel und Bernd Löschner zu verdanken war, die sich in Obergneus an den Versand- und Verkaufsaktionen beteiligten.

Letzterer, der kürzlich seinen 75. Geburtstag feiern konnte, hatte 1979 die Idee eines Souvenirversands entwickelt, als beim Lauf nicht alle Souvenirs rechtzeitig angeliefert werden konnten. Ein Überhang besonders an „Laufhemden“, heute würde man Laufshirt sagen, bei gleichzeitig größter Nachfrage war der Auslöser dafür.

Alle Restbestände wurden nach dem Rennsteiglauf nach Obergneus transportiert, sortiert und für den Versand vorbereitet. Im Ergebnisheft und teilweise der Presse wurde auf die Bestellmöglichkeit aufmerksam gemacht. Schwierig war die Beschaffung von genügend Verpackungsmaterial. In der DDR gehörten zeitweilig Kartons, spezielle Umschläge usw. oft zur Mangelware.

Alle Beteiligten versuchten bei ihren Arbeitgebern, meist volkseigenen Betriebe, über die Materiallager, den einen oder anderen Posten zu bekommen. Zum Einpacken dienten alte Rennsteiglaufplakate besonders von 1979. Damals hatte der Rennsteiglauf mehrere tausend Plakate preiswert bekommen, da die Druckerei kleinere Stückzahlen nicht drucken wollte.

Eine Aufgabe von Bernd Löschner war es u. a., die Nachnahmesendungen immer zu einer kleinen Poststelle nach Jena-Winzerla zu transportieren. Manchmal hatte er bis zu 100 Doppelbriefe, Päckchen und Pakete in mehreren Waschkörben, wenn er bei der Post ankam. Diese mussten dann handschriftlich in Eingangs-Bücher eingetragen werden, nachdem vorher die ausgefüllten Zahlungsbelege kontrolliert worden waren.

Die Mitarbeiterin der Post, die nebenbei noch die übrigen Kunden, die meist in langer Schlange warten mussten, bedienen wollte, war nach der zweiten Anlieferung so genervt, dass sie Löschner das Eingangsbuch und Stempel übergab mit dem Hinweis, er möge es doch selber eintragen, was dieser auch zur vollen Zufriedenheit erledigte.

Vielleicht hatte dazu auch beigetragen, dass sie als kleines „Souvenir“ einen „Rennsteiglaufschlüpfer“ geschenkt bekam, was heute fast unter „Bestechung“ laufen würde. Rechnet man allerdings den damaligen DDR-Preis von 6,00 Mark in Euro um, dann wäre es vielleicht noch statthaft. Als Läufer gehörte Löschner zu den Mitgründern der Laufgruppe der HSG, die heute noch existiert.

Auch beim Jenaer Kernberglauf war er als Mitorganisator engagiert. Beim Rennsteiglauf ist er von 1976 bis 1979 vier Mal auf der langen Strecke ins Ziel gekommen. Heute ist Bernd Löschner Fördermitglied im USV Jena.

 Dr. Hans-Georg Kremer in der  Thüringischen Landeszeitung vom 13. Juni 2018 Nr. 590

Gunda und Dr. Hans-Georg Kremer
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07749 Jena
Tel.: 03641-363094
Stiftungen Spitzberglauf/Rennsteiglauf
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und Seniorensport
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Treuhänderisch verwaltet durch die
Stiftung „Annedore – Lebenshilfe im Alter“ in Jena

Damenslip für Rennsteigläufer – Dr. Hans-Georg Kremer

Damenslip für Rennsteigläufer – Dr. Hans-Georg Kremer

 

 

 

 

 

 

author: GRR