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14
05
2019

Das Team 340MilesClub vor dem Start - Foto-Credits: www.benfuchs.de

„The Speed Project“ – Wenn das unvorstellbare erreicht wird – 340MilesClub – Von Los Angeles nach Las Vegas – Till Harnos berichtet

By GRR 0

In einem Bericht auf GRR (https://germanroadraces.de/?p=119076) vom 21. Februar 2019 wurde über das damals bevorstehende Rennen “The Speed Project” berichtet, bei dem wir als Team “340MilesClub”, bestehend aus 2 Läuferinnen und 9 Läufern aus Berlin und München, von Los Angeles nach Las Vegas teilnehmen sollten.

Was seither geschehen ist und wir als Team geleistet haben, ist im Folgenden zusammengefasst.

Die Vorbereitungen

Zum Zeitpunkt des vorherigen Artikels konnten wir nur sehr vage Aussagen darüber geben, was uns als Team bevorsteht und so waren bis zum Start des Rennens auch noch viele Fragezeichen in unseren Köpfen, während wir andere Unklarheiten nach bestem Wissen und Gewissen klären konnten… und andere Fragen erst nach oder während des Rennens klären konnten.

  • Wieviel Wasser benötigen wir für die kommenden Tage?
  • Reichen unsere Vorräte an Energie-Gels und Elektrolyte Getränken?
  • Wieviele Nudeln sollen wir vorkochen? Reicht das vorgebackene Bananenbrot?
  • Schaffen wir die anvisierten 51 Stunden nach Las Vegas oder benötigen wir doch länger?
  • Wie wird die Situation in unserem Bus sein? Kann der Bus überall an der Strecke halten?
  • Wie führen wir am Besten die Wechsel durch?
  • Wie gehen wir mit der Läuferaufteilung um,  falls sich jemand verletzt?

Wie man hinsichtlich der Fragen erkennt, waren uns noch viele Dinge unklar und da bisher keiner aus unserem Team an dem Rennen teilgenommen hat, mussten wir diese auch zunächst unbeantwortet lassen.

Das Rennen

Der Startschuss für das Rennen fiel am Santa Monica Pier am Freitag, dem 29.3.2019 um 4 Uhr morgens.

Das Speed Project ist ein inoffizielles Rennen bei dem lediglich 43 Teams verschiedener Herkunft zugelassen werden. Es gab keine offiziellen Straßensperren oder Streckenunterstützung, daher war es notwendig so früh wie möglich aus dem morgendlichen Verkehr von Los Angeles herauszukommen. Und so haben sich alle Teams und ihre Unterstützer am Pier getroffen, um den Start des Rennens zu bejubeln. Ein kurzer Startschuss und wenige Minuten später war das Pier auch schon wieder leer.

Nachdem die ersten Läufer losgezogen waren, sind die restlichen Anwesenden in SUVs, auf Fahrräder, Wohnmobile oder – so wie wir – einen Bus gestürzt, um den Läuferinnen und Läufern zu folgen.

Das Feld verteilte sich schnell und es zeichneten sich an der Spitze des Rennens erste Favoriten ab – zwei Teams unterstützt von Nike und von Adidas.

Unsere angedachten Wechsel zwischen den Läufern haben wie geplant funktioniert, so dass wir zunächst circa alle 10 Kilometer für frische Beine sorgen konnten. Bereits während der ersten Läufer aus unserem Team zeichneten sich hervorragende Zeiten ab und es schien als würde sich der Geist des Speed Projects positiv auf unsere Laufergebnisse auswirken. Somit hat sich in unserem Team mehr und mehr eine positive Stimmung verbreitet, da wir die Möglichkeit hatten alle paar Kilometer mit dem Bus an der Seite zu parken um die aktuelle Läuferin anzufeuern. Und so flog der erste Tag recht schnell mit einmaligen Eindrücken an uns vorbei und wir liefen in die dunkle Nacht hinein.

Lauf in die Nacht hinein mit Sonnenuntergang im Rücken – Foto: www.benfuchs.de

Inzwischen haben wir die größeren Städte hinter uns gelassen und somit folgten auf den nächsten Kilometern einsame Streckenabschnitte, was der Lust am Laufen dennoch keinen Abriss tat. Auf sandigem Boden, zwischen knöchelgroßen Steinen und Kies, sowie inzwischen gesperrte Straßen mit zerrissenem Belag ging es auf Nebenstraßen entlang des Freeway 15 durch die Nacht in den Samstagmorgen, an dem wir die Stadt Baker erreichten.

Von hier aus ging auf der Death Valley Road nach Norden und wir rissen auch die weiteren Kilometer durch die Wüstenlandschaft und vereinsamte Dörfer souverän über den Samstag ab. Zur Mittagszeit erwarteten uns längere Anstiege bei höheren Temperaturen, die wir zwar mit Schnaufen, aber aufgrund einer Änderung unserer Lauftaktik auf 6 x 1 Meile, anstelle von 1 x 6 Meile pro Läufer mit guten Zwischenzeiten hinter uns lassen konnten.

 

Wüstenlauf nach einer anstrengenden Bergauf Phase – Fotos: www.benfuchs.de

Wir realisieren, dass unsere vor dem Lauf avisierten 51 Stunden definitiv erreichbar sind und rechneten uns eine mögliche Ankunft nach bereits 46 Stunden aus. Dazu mussten wir lediglich die flachen Streckenabschnitte die uns Abends begegneten und den letzten Anstieg in den späteren Abend- und frühen Nachtstunden überwinden, der von einem geformten 4er-Team mit schnellen Wechseln (alle 1-2 Kilometer) gemeistert wurde. Die Belohnung für die vielen Mühen war der Blick auf das Tal in welchem eingebettet die Lichter von Las Vegas den Raum bestrahlten.

Foto: www.benfuchs.de

Von hier aus ging es die nächsten Kilometer zügig bergab. Die letzten Kilometer des Laufs, welche uns nach Las Vegas führten, liefen wir gemeinsam in frei geformten Gruppen. Unsere Crew-Supporter teilten sich die Läufe mit uns, wir liefen in 2er, 3er, 4er Teams zusammen, die letzten 200 Meter des Laufs als gesamtes Team.

Bei Erreichen des “Welcome to Fabulous Las Vegas” Zeichens, war die Erleichterung jedes einen ins Gesicht geschrieben und wir fielen uns in die Arme und jubelten ausgelassen.

Wir hatten das uns unvorstellbare geschafft: nach 46 Stunden und 9 Minuten sind wir als zuvor bunt gemischtes Team aus Individuen nun als geformte Einheit in Las Vegas angekommen und haben die 550 Kilometer bravourös überstanden.

Ein für jeden von uns einmaliges Ereignis hat damit ein Ende gefunden und wir sind uns sicher, dass wir noch viele weitere Monate sogar Jahre von dem großartigen Erfolg zehren können.

Von den oben genannten Fragen, konnten wir viele auf dem Weg oder im Ziel beantworten und somit ist jeder von uns für einen möglichen zweiten Lauf in den folgenden Jahren um einiges besser vorbereitet.

Obwohl gerade dieses Unwissen und damit nicht alles im Vorhinein planen zu können mitunter den Reiz des Speed Projects ausgemacht hat.

Till Harnos

 

Das gesamte Team in Las Vegas – GLÜCKWUNSCH!

Verrückt: Das Speed Project – Staffel über 550 km – Von der Westküste Amerikas bis nach Las Vegas – Till Harnos berichtet

 

author: GRR