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06
08
2019

Nigussie Sahlesilassie gewann den Stockholm Marathon mit Streckenrekord. (c) Livestream/Screenshot

Rückblick auf die internationale Straßenlaufszene im ersten Halbjahr 2019: „Streckenrekorde am Fließband“ – Teil 4 und Schluss – Helmut Winter berichtet

By GRR 0

Am ersten Tag des Monats Juni gewann Nigussie Sahlesilassie (ETH) mit neuem Kursrekord von 2:10:10 die 41. Ausgabe des ASICS Stockholm Marathon. Bei den Frauen war Aberash Fayesa (ETH) in 2:33:38 die schnellste Läuferin.

SICS Stockholm Marathon am 1. Juni 2019: Neuer Streckenrekord durch Sahlesilassie Bei der 8. Ausgabe des Mattoni Ceske Budojovice (Budweis) Halbmarathon gab es überlegene Siege wie schon zwei Wochen in Karlsbad zuvor durch Yassine Rachik (ITA) und  Lilia Fisikovici (MDA). Mit dem Fokus des Organisators RunCzech auf europäische Athleten („European Heroes“) waren bei dieser Verstaltung keine ostafrikanischen Läufer am Start. Rachik gewann in 1:03:02, Fisikovici lief als Siegerin 1:13:29; beide Zeiten sind international sicher nur zweitklassig.

Ein neuer Streckenrekord bei den Frauen durch Workenesh Edesa (ETH) mit 2:30:22 war das Highlight der 9. Ausgabe des Bank of Lanzhou Cup Lanzhou International Marathon in der chinesischen Metropole am Gelben Fluss. Bei der 22. Ausgabe des Rock´n´Roll San Diego Marathon waren die Siege von Bernard Ngeno (KEN) in 1:00:08 und Rahma Tusa (ETH) in 1:09:09 im Halbmarathon die besten Leistungen. Der Marathon, der bei der Premiere im Jahr 1998 mit 20.000 Meldungen die Serie und Erfolgsgeschichte der Rock´n´Roll Läufe begründete, ist mittlerweile leistungsportlich in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Bradley Wattleworth (USA) in 2:25:50 und Jeniffer Brill (USA) in 2:57:49 erwiesen sich als die „Schnellsten“.

Mit Siegen über 10 km von Tigist Tessema (ETH) in 31:45 und Lawi Kosgei (KEN) in 27:50 gab es auch bei der 22. Ausgabe des Oelder Sparkassen Citylaufs wieder Siegerzeiten von internationaler Klasse. 22. Internationaler Oelder Sparkassen Citylauf am 8. Juni 2019: Lawi Kosgei und Tigist Tessema mit flotten Zeiten über 10 kmAlina Reh (GER) vom SSV Ulm und Richard Ringer (GER) vom LC Rehlingen wurden in den Medien kaum beachtet im Essener Vorort Stoppenberg deutsche Meister über 10.000 m des Jahres 2019. Bei den Frauen war Reh in 31:19,87, bei den Männern Ringer in 28:28,89 hoch überlegen. Die zwei 5000 m-Läufe im Rahmen der 39. Ausgabe der Fanny-Blankers-Koen (FBK) Games im niederländischen Hengelo gewannen Telahun Bekele (ETH) in 12:57,56 bei den Männern und Margaret Kipkemboi (KEN) in 14:37,22 bei den Frauen.

Yassine Rachik gewann auch in Olomouc das Rennen der „EuroHeroes“. (c) Livestream/Screenshot

Am 15. Juni gewannen Yassine Rachik (ITA) sowie Lilia Fisikovici (MDA) die 10. Auflage des Mattoni Olomouc Half Marathon und damit auch die dritte Runde der 2019 EuroHeroes Challenge von RunCzech. Nach Karlovy Vary und České Budějovice waren Rachik in 1:04:26 und Fisikovici in 1:13:32 bei den Halbmarathon-Rennen im mährischen Olmütz vorne. Der Kenianer Emmanuel Bor (KEN) sorgte mit 27:53 Minuten für das Highlight bei der 29. Ausgabe der Corrida de Langueux in der Bretonischen Kleinstadt zwischen Rennes und Brest. .9. Corrida de Langueux (FRA) am 15. Juni 2019: Emmanuel Bor läuft 10 km in 27:53

Auch bei der 19. Ausgabe des Scania Zwolse Halve Marathon in der niederländischen Provinzstadt Zwolle ging die Flut der Streckenrekorde in der Saison 2019 weiter. Bei seinem deutlichen Sieg blieb der Gewinner des Vorjahres William Wanjiku (KEN) in 1:00:24 unter der Bestmarke von 1:00:37 durch Richard Mengich aus dem Jahr 2016. Bei den Frauen war die für Grün-Weiss Kassel startende deutsche Läuferin Melat Yisak Kejeta (GER) in 1:09:29 vorne.

Nachdem bereits am 12. Juni ein Staffellauf im Berliner Tiergarten wegen Unwetters abgesagt werden musste, waren kurz darauf auch Veranstaltungen in Tübingen und Wolfsburg betroffen. Während sintflutartige Regenfälle eine Absage des EAA-Meetings „Soundtrack 2019“ in Tübingen erforderlich machten, war ein Desaster ganz anderer Art der Grund, auch einen Staffelmarathon in der VW-Stadt Wolfsburg abzusagen. Durch die für den Eichenprozessionsspinner „günstigen“ klimatischen Bedingungen in unseren Breiten erwiesen sich dessen anwachsende Populationen im öffentlichen Raum als eine so große Bedrohung, dass das Risiko von gesundheitlichen Schäden durch die Veranstalter nicht eingegangen wurde. Die Auswirkungen des „Klimawandels“ scheinen nun auch in der Laufsszene angekommen zu sein.

Der Kenianer Boniface Kongin (KEN) gewann am 22. Juni nach einem kuriosen Rennverlauf die 43. Ausgabe des Grandmas Marathon in Duluth (MN, USA). In einem zunächst sehr flotten Rennen auf dem Punkt-zu-Punkt-Kurs auf dem Highway 61 mit Start in Two Harbors am Ufer des Lake Superior rettete sich Konging in 2:11:56 ins Ziel. Bei den Frauen gewann Nell Rojas (USA) hoch überlegen in 2:28:06. Fancy Chemutai (KEN) sorgte bei den 2019 B.A.A. 10K in Boston (MA, USA) für die herausragende Leistung. In 30:36 für die 10 km-Distanz „pulverisierte“ die junge Kenianerin den Kursrekord von Shalane Flanagan mit 30:52. Das Rennen der Männer gewann David Bett (KEN) in 28:08.

Fancy Chemutai gewann die 2019 B.A.A. 10K in Boston. (c) Veranstalter

Geoffrey Koech (KEN) gewann die 21. Ausgabe des Wiezoloop im niederländischen Wierden über 10 km mit Streckenrekordzeit von 28:03. Im Rennen der Frauen siegte Bone Cheluke (ETH) in 33:23. Temperaturen von bereits 28°C zur Startzeit um 10 Uhr und volle Sonneneinstrahlung machten die 25. Jubiläumsausgabe des Hella Hamburg Marathon zu einer Tortour, die die Favoriten Stephen Kiprotich (UGA) und Melat Kejete (GER) in 1:04:11 bzw. 1:11:29 vorne sahen.

In einer Flut hochklassiger Ergebnisse sorgten Sifan Hassan (NED) und Kostanze Klosterhalfen (GER) beim Diamond League Meeting im kalifornischen Stanford für ein außergewöhnliches Highlight. Der mit Spannung erwartete, höchstkarätig besetzte 3000 m-Lauf der Frauen erfüllte selbst kühnste Erwartungen. Hasan gewann in neuer Europarekord-Zeit von 8:18:49, Konstanze Klosterhalfen „pulverisierte“ ihren deutschen Rekord um fast 10 Sekunden auf grandiose 8:20:07. Die endgültige Zugehörigkeit seit Frühjahr 2019 zum „NIKE Oregon Projekt“ in Eugene tragen bereits sehr sichtbar Früchte, rufen aber auch die ersten Kritiker auf den Plan.

Sifan Hassan läuft beim Meeting in Stanford einen Europa-Rekord über 3000 m der Frauen, Konstanze Klosterhalfen (an Position 3) wird Zweite mit Landesrekord. (c) Livestream/Screenshot

Abdallah Mande (UGA) in 27:35 sowie Sheila Chelangat (KEN) in 30:55 krönten die 3. Ausgabe der 10 km POG in Port-Gentil mit neuen Streckenrekorden. Auch ungünstige Bedingungen mit Temperaturen zur Startzeit um 7 Uhr von 25°C und hoher Luftfeuchte mit einem (aberwitzigen) Taupunkt von 21°C (88% rel. Luftfeuchte) hatten keine negative Effekte auf das Leistungsniveau bei der 50. Ausgabe des AJC Peachtree Road Race in Atlanta (GA, USA) am 4. Juli. Sowohl der Shooting Star der Szene, der erst 19-jährige Kenianer Rhonex Kipruto (KEN) mit 27:01 als auch Brigid Kosgei (KEN) mit 30:22 liefen Streckenrekorde bei dem mit ca. 60.000 Teilnehmern (zahlenmäßig) größten 10 km-Lauf der Welt.

Yuta Shitara gewann den Marathon an der australischen Gold Coast mit Streckenrekord. (c) Veranstalter

Der frühere japanische Landesrekordhalter Yuta Shitara (JPN) gewann am Wochende darauf (7. Juli) an der australischen Ostküste die 41. Ausgabe des Gold Coast Marathon. Dabei lief er mit 2:07:50 die schnellste Zeit eines Marathonläufers auf australischem Boden (All Comers Record) und im Monat Juli war in der langen Geschichte des Marathonlaufs niemals ein Läufer schneller gelaufen. In der aktuellen Form ist Shitara sicher ein erster Anwärter auf einen der Plätze im japanischen Marathon-Team für Olympia 2020 in Tokyo, die am 15. September 2019 auf dem olympischen Kurs vergeben werden sollen. Das Rennen der Frauen sah Rodah Tanui (KEN) in 2:27:56 vorne.

Fast unter „Ausschluss der Öffentlichkeit“ fanden am Abend des 17. Juli auf der Bahn des FBK-Stadions im niederländischen Hengelo die äthiopischen WM-Trials über 10.000 m der Frauen und Männer statt. Die sehr schnellen Rennen gewannen Hagos Gebrhiwet (ETH) in 26:48,95 und Letsenbet Gidey (ETH) in 30:37,89. Diese beiden Zeiten sind die aktuellen Welt-Jahresbestmarken, und die einmaligen Leistungsbreiten in den beiden Läufen dokumentieren 11 der 13 schnellsten Zeiten im Jahr 2019 bei den Frauen und bei den Männern sogar 13 der 14 schnellsten Zeiten. 6 Läufer blieben unter der Schallmauer bei den Männern von 27 Minuten, 10 Läuferinnen unterboten 31 Minuten. Schade, dass die Langdistanz auf der Bahn immer mehr aus dem Fokus des Interesses gerät.

Ohne eine richtige Sommerpause wird an allen Ecken des Globus weitergerannt und zum Herbst folgende dann weitere Highlights mit der WM in Katar, den größeren Stadtmarathonläufen und vor allem das „1:59“-Projekt mit Eliud Kipchoge im Wiener Prater.

Die globale Laufszene dürfte somit auch im zweiten Halbjahr 2019 für ausreichend Gesprächsstoff sorgen.

 Ende

Jahres-Weltbestenliste 2019 Marathon der Männer (IAAF)
1. 2:02:37 Eliud Kipchoge  KEN London 28.2.2019
2. 2:02:55 Mosinet Geremew  ETH London 28.2.2019
3. 2:03:16 Mule Wasihun  ETH London 28.2.2019
4. 2:03:34 Getaneh Molla  ETH Dubai 25.1.2019
5. 2:03:40 Herpasa Negasa  ETH Dubai 25.1.2019
6. 2:04:11 Marius Kipserem  KEN Rotterdam   7.4.2019
7. 2:04:24 Asefa Mengstu  ETH Dubai 25.1.2019
8. 2:04:46 Titus Ekiru  KEN Mailand   7.4.2019
9. 2:04:48 Birhanu Legese  ETH Tokyo   3.3.2019
10. 2:05:01 Shura Kitata  ETH London 28.2.2019
Jahres-Weltbestenliste 2019 Marathon der Frauen (IAAF)
1. 2:17:08 Ruth Chepngetich  KEN Dubai 25.1.2019
2. 2:17:41 Worknesh Degefa  ETH Dubai 25.1.2019
3. 2:18:20 Brigid Kosgei  KEN London 28.4.2019
4. 2:19:46 Lonah Salpeter  ISR Prag  5.5.2019
5. 2:20:14 Vivian Cheruiyot  KEN London 28.4.2019
6. 2:20:40 Ruti Aga  ETH Tokyo  3.3.2019
7. 2:20:51 Roza Dereje  ETH London 28.4.2019
8. 2:20:52 Gladys Cherono  KEN London 28.4.2019
9. 2:20:58 Mary Keitany  KEN London 28.4.2019
10. 2:21:01 Helen Tola

Helmut Winter

Rückblick auf die internationale Straßenlaufszene im ersten Halbjahr 2019: „Streckenrekorde am Fließband“ – Teil 3 – Helmut Winter berichtet

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