Blog
02
12
2019

El Mahjoub Dazza gewann den Fukuoka International Marathon 2019. - Foto: Livestream/Screenshot

73. Fukuoka International Open Marathon Championship am 1. Dezember 2019: Überlegener Sieg von El Mahjoub Dazza – Helmut Winter berichtet

By GRR 0

Mit dem Sieg des Favoriten El Mahjoub Dazza (MAR) in 2:07:10 endete die 73. Ausgabe des Fukuoka International Marathon in der südjapanischen Hafenstadt. Mit nur 2 Läufern unter 2:10 Stunden war auch die Leistungsbreite bei dem Traditionslauf recht schwach, was aber nach einem Blick auf die Liste an Eliteathleten zu erwarten war.

fukuoka-mar-2015-logo1

Dazu kam, dass einige japanische Topläufer in der Tat versuchten, in die Regionen des Landesrekords von 2:05:50 zu kommen, um einen letzten Platz im japanischen Olympia-Team für 2020 in Sapporo zu bekommen. Entsprechend flott und mutig wurde das Rennen mit Hilfe der hochklassigen Tempomacher Bedan Karoki, Kelvin Cheruiyot und Dominic Kiptarus angelaufen. Am Ende mussten aber bis auf den Sieger alle weiteren Akteure für diese Renntaktik „büßen“.

Mit flotten ersten Kilometern von 2:57, 2:56, 3:00, 3:00 und 2:58 wurden die ersten 5 km in 14:51 zurückgelegt. Etwa 10 Läufer waren hier an der Spitze auf Kurs zu einer Zeit von 2:05:20, damit lag man bestens im Soll, aber – wie sich später zeigen sollte – für die Klasse der Eliteläufer doch zu flott. 10 km wurden etwas moderater in 29:48 und 15 km in 44:42 erreicht. Als es nun in den Stadtteil von Hakata ging waren neben den 3 Tempomachern noch 8 Läufer in der Spitzengruppe, wobei aber der Europameister Koen Naert (BEL) völlig außer Form schien und bereits über 1 1/2 Minuten zurücklag. Recht enttäuschend belegte Naert im Ziel in 2:15:51 Platz 18. Vor zwei Jahren hatte ein anderer europäischer Topläufer, Sondre Moen, mit dem Europarekord von 2:05:48 in Fukuoka noch für Furore gesorgt.

Beim Halbmarathon in 1:03:01 waren neben den Hasen noch 6 Läufer an der Spitze, wobei bald darauf Raymond Choge (KEN), Sieger des Kosice Marathon 2018 in 2:08:11, aus dieser Gruppe herausfiel. Nach 25 km in 1:14:35 gab es dann eine Vorentscheidung, als sich nach 27 km der Favorit Dazza, der sich etwas überraschend im letzten Jahr in Valencia auf 2:05:26 steigern konnte, und Taku Fujimoto (JPN), der 2018 den Chicago Marathon in 2:07:57 absolvierte, schnell von der Konkurrenz absetzten. Als nach 1:29:33 die Tempomacher bei 30 km wie geplant ausstiegen (wird in Fukuoka peinlichst beachtet), reichte Dazza ein km-Abschnitt von 2:56 um Fujimoto los zu werden. Der letzte verbliebene Japaner hatte sich augenscheinlich übernommen und verlor schnell an Boden.

Vorne zog Dazza unbeeindruckt sein Tempo durch und gewann über 1:44:41 bei 35 km und 2:00:16 bei 40 km das Rennen unangefochten in 2:07:10. Mit Splits von 1:45:12 bei 35 km und 2:01:47 bei 40 km, d.h. 16:35 Minuten für diesen 5 km-Abschnitt, rettete sich Fujimoto in 2:09:36 ins Ziel. Auf Platz 3 kam von ganz hinten sein Landsmann Jo Fukuda (JPN) auf, der bei 25 km und 30 km noch eine volle Minute hinter Fujimoto lag. Er konnte sein Tempo halten und wurde in 2:10:33 Dritter. Bei der schwachen Leistungsbreite von 2 Läufern unter 2:10 Stunden enttäuschte vor allem die eingeladene Elite aus Übersee. Allen voran war das der neue panamerikanische Meister Christian Pacheco (PER), der erst nach 2:21:15 auf Platz 40 auf der Bahn des Hewadai Station ins Ziel einlief.

Mit Platz 12 in 2:12:50 konnte das mittlerweile als Vollprofi agierende Lauf-Unikum Yuki Kawauchi (JPN) zwar kaum überzeugen, die Art, wie sich Yuki aber wieder von ca. Platz 25 zur Hälfte noch nach vorne lief, begeisterte seine Landsleute. Aber auch diese Show am Rande konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die „Fukuoka International Open Marathon Championchip“, die einmal so etwas wie inoffizielle Weltmeisterschaften darstellten, von den Entwicklungen der globalen Straßenlaufszene mittlerweile überrannt wurden.

Die Veranstaltung auf der südlichsten japanischen Insel Kyushu lebt von der Historie und „lebt“ diese auch. Zukunft hat dieses Konzept aber kaum. Schon seit einigen Jahren wächst der Druck, den einen Monat zuvor stattfindenden Massenmarathon mit dem Fukuoka International zu vereinen. Es dürfte weitgehend in den Händen des Hauptsponsors und Organisators „TV Asahi“ liegen, wie lange man in Fukuoka den Status Quo noch erhalten kann und will.

Die traditionell landestypische Sturheit wird dieses Problem sicher nicht lösen, ohne tiefgreifende Veränderungen ist der Fukuoka (International) Marathon ein „Auslaufmodell“.

Helmut Winter

  Ergebnisse Marathon der Männer (HM/M):
1. D​A​Z​Z​A​ ​E​l​ ​M​a​h​j​o​u​b 1​:​0​3​:​0​2 2​:​0​7​:​1​0
2. F​U​J​I​M​O​T​O​ ​T​a​k​u 1​:​0​3​:​0​2 2​:​0​9​:​3​6
3. F​U​K​U​D​A​ ​J​o 1​:​0​3​:​4​2 2​:​1​0​:​3​3
4. W​O​R​K​N​E​H​ ​D​e​r​e​s​e 1​:​0​3​:​0​3 2​:​1​0​:​5​2
5. T​E​R​A​D​A​ ​N​a​t​s​u​k​i 1​:​0​4​:​4​1 2​:​1​0​:​5​5
6. G​I​T​H​A​E​ ​M​i​c​h​a​e​l 1​:​0​4​:​4​1 2​:​1​0​:​5​9
7. I​T​O​ ​T​a​i​g​a 1​:​0​4​:​4​2 2​:​1​0​:​5​9
8. U​L​A​D​ ​A​b​d​i​ ​H​a​k​i​n 1​:​0​4​:​4​2 2​:​1​1​:​0​3
9. C​H​O​G​E​ ​R​a​y​m​o​n​d​ ​K​ipch. 1​:​0​3​:​0​4 2​:​1​1​:​3​8
1​0. S​U​Z​U​K​I​ ​T​a​i​k​i 1​:​0​4​:​4​1 2​:​1​2​:​0​9

 

author: GRR