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15
09
2020

Symbolfoto- Tour de France. - Foto: Horst Milde

Rigoberto Uran glaubt noch immer an den Sieg in Paris – Von KLAUS BLUME

By GRR 0

„Das Thema Kolumbien hat sich erledigt. Also auch das Thema Doping“, sagt Philippe. Der französische Kollege, in Ehren ergraut, kennt die Tour de France wie kaum ein Zweiter.

Am Sonntag, auf der ersten Hochgebirgs-Etappe, am Tag vor dem letzten Ruhetag der Frankreich-Rundfahrt 2020, war der kolumbianische Vorjahrssieger Egan Bernal eingebrochen – mit fast sieben Minuten Rückstand auf die beiden Slowenen Primoz Roglic und Tadej Pogacar.

Der Pariser Sporttageszeitung L‘Equipe gestand der 22-Jährige: „Ich habe am Sonntag drei Jahres meines Lebens verloren. UND ich habe diese Tour verloren. Endgültig verloren.“

Hat sich das Thema Kolumbien damit wirklich erledigt? In diesem radsport-verrückten Land glaubt niemand daran. Dort glauben alle an „Mick Jagger“, wie sie den 33jährigen Rigoberto Uran nenen. Eine Legende in seiner Heimat – und nicht nur dort: 2012 Olympiazweiter hinter dem kasachischen Berufs-Doperer Alexander Winokurow, 2017 schon Zweiter der Tour de France. Vor der Alpen-Etappe an diesem Dienstag, hinauf nach Villard de-Lans, rangiert er auf Rang drei des Gesamtklassements. Die großen Wettbüros in aller Welt führen den 1,73 Meter großen und nur 54 Kilo wiegenden Kolumbianer nicht unter den ersten acht Favoriten – doch dieser sieht das anders: „Ich kann das Ding doch vielleicht noch drehen.“

Das Verrückte daran: Der Internationale Radsport-Verband (UCI) hat in keinem Land so viele Radsportler wegen Dopings gesperrt wie in Kolumbien. Doch niemals Rigoberto Uran. Er tritt jetzt für das amerikanische Team EF Pro Cycling in die Pedale, das sich seit zwölf Jahren – und das ständig aufs Neue beteuernd – dem Anti-Doping-Kampf verschrieben hat. Doch da gibt es Widersprüche. Zum Beispiel in der Person des hannoverschen Ex-Profis Andreas Klier, 44, der in diesen Wochen die Equipe um Uran durch Frankreich steuert. Klier hatte 2013 gestanden, als Rennfahrer alles, was verboten ist, benutzt zu haben: EPO, Wachstumshormone, Kortisone, auch Blut habe er transfusioniert. Zumindest weiß Klier, was und warum etwas geschieht.

Und er kann seinen Kapitän Uran vorwarnen, sollte das nötig werden. Einen Mann, der schon als Jugendlicher ein bewegtes Leben hinter sich hatte. Nachdem er im Alter von14 Jahren seinen Vater verloren hatte, musste Rigo, neben der Schule und der Teilnahme an Radrennen, Lotterielose verkaufen. Als er 16 Jahre alt war, stand seine Familie vor der Entscheidung: Entweder Rad-Profi werden oder Lotterielose verkaufen.

Da er aber als Profi-Profi 18 Jahre alt sein musste, wurde seiner Mutter erlaubt, seinen ersten Vertrag zu unterschreiben.

Mit 19 Jahren ging Rigo dann nach Italien; heute spricht er drei Sprachen. Diesen Weg, vom mittellosen Losverkäufer zum Tour-Favoriten, könnten daheim viele einschlagen, sagt er.

Man müsste sie nur entdecken, so wie jenen Bauernjungen, der ihn beim Tour-Training kurzerhand mit 50 Stundenkilometern überholt hatte.

„Und der“, sagt Rigoberto Uran, „hatte bestimmt nichts geschluckt.“

 
Klaus Blume
Uhlenhorster Weg 2
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Tel: +49 (0) 40 229 7048
klausblume@t-online.de

RETTET UNSERE LÄUFE – SAVE THE EVENTS – Foto: Victah Sailer

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author: GRR