Blog
21
01
2023

Die deutsch-schweizerische Laufreisegruppe vor den historischen Kolossen von Memnon - Foto: Diethard Steinbrecher

Jubiläum am Nil: Der 30. Internationale Ägypten-Marathon wurde in Luxor gefeiert. Er gab Anlass, sich über die Laufbewegung im Land am Nil zu freuen. Klaus Weidt berichtet

By GRR 0

Einige kramten ihre Fotos von 1994 heraus und zeigten sie der Runde. Roland Winkler zum Beispiel, der damals, noch in Kairo an den Pyramiden, mit 20 deutschen Helfern die Premiere ausgerichtet hatte.

Vier von der heutigen deutsch-schweizerischen Reisegruppe waren am 3. Februar jenes Jahres sogar gestartet: das Ehepaar Vocke aus Guben, Ingrid Barthel aus Schwerin und der Berliner Hans-Joachim Schemel. Letzterer war damals von dem neuen Ägypten-Marathon und dem Fluidum des Pharaonen-Ambiente so begeistert, dass er tatsächlich 16mal in das Land am Nil flog.

Christel, seine Frau, mit REISEZEIT-Gruppen ebenfalls oft dabei, sammelte zahlreiche Dokumente des ersten Starts und präsentierte sie nun im Januar 2023 mit vielen Wandtafeln im idyllischen Marathon-Hotel von Luxor „Joille Ville“. Eine ägyptische Laufhistorie.

Es gab somit viele Anlässe, an die Entstehungs-Geschichte zu erinnern. Meine damalige Idee, am 25. Januar 1993 einer Kairoer Reiseagentur namens Egytrav vermittelt, löste sofort Begeisterung aus. Ich plädierte für einen internationalen „Egyptian Marathon“ mit möglichst verschiedenen Laufangeboten und versicherte kühn, deutsche Organisatoren hierfür zu finden.

Ein Vierer, der sich um die Entwicklung und Gestaltung des Ägypten-Marathons verdient gemacht hat (von rechts): Klaus Weidt, Gasser Riad, Roland Winkler, Christel Schemel – Foto: Veranstalter

Mit Roland Winkler, Org.-Chef des damaligen Berliner Team-Marathons, begeisterte  ich einen erfahrenen Mann, mit dem ägyptischen Reisemanager Gasser Riad einen engagierten Mitstreiter, mit dem ägyptischen Innenminister einen wirksamen Schirmherrn und mit der Fluggesellschaft Egyptair einen kräftigen Sponsor.

Jenem Gasser Riad ist es vor allem zu verdanken, dass sich der Ägypten-Marathon behauptete. Jahr für Jahr wurde er ab 1995 am Tempel der Hatschepsut gestartet, jener Pharaonin, die bei einem religiösen Zeremoniell vor 3500 Jahren sogar bildlich als Läuferin dargestellt wurde. Über ein Jahrzehnt hinweg wurde die Veranstaltung vom bekannten Stendaler Lauf-Ehepaar Gerd und Liesel Engel mit organisiert und weiter entwickelt, ehe das ägyptische Organisationsteam alle Fäden selbst in die Hand nehmen konnte. Die Strecken sind von Anfang an in Luxor gleichgeblieben und auch von der AIMS zertifiziert worden: Ägypten-Marathon (42,195 km), Luxor Run (22,289 km), Ramses Run (12,336 km) und ein Hatschepsut Run & Walk über eine 5-km-Runde.

Start vor dem Hatschepsut-Tempel in Luxor – Foto: Klaus Weidt

Das Jubiläum am Nil wurde natürlich gebührend gefeiert.

Läuferinnen und Läufer aus 41 Nationen gingen an die Starts unterhalb des mächtigen Hatschepsut-Tempels. Unter ihnen – welch schöner Zufall – 30 zum „30.“ aus Deutschland und der Schweiz. Die Jordanier beeindruckten auf der welligen historischen Runde – vorbei u.a. an den Memnon-Kolossen und dem Tal der Könige. Achmed Mahmon gewann die Marathonstrecke in 2:31:53. Der Kenianer Mickel Kimtai siegte souverän im Halbmarathon (1:10:10). Doch die Ägypter, die in den zurückliegenden Jahren viel in den für sie neuen Disziplinen trainierten, machten auch auf sich aufmerksam. So u.a. auf den Marathonplätzen 2 und 3 mit Mahmoud Awad und Achmed Saadedin. Die Januar-Temperaturen waren wie immer angenehm: nicht mehr als 22 Grad, bei einer Luftfeuchtigkeit von 46 %. Sonne von früh bis abends.

Unterwegs auf der Strecke – Foto: Klaus Weidt

Beim abendlichen Abschluss-Dinner wurde dann auch einer geehrt und bewundert, der im März 90 Jahre alt wird: Erhard Bader. Der wohl älteste Lauf-Berliner ließ auf der Hatschepsut-Runde noch manchen hinter sich.

Dieser Ägypten-Marathon, inzwischen einer der ältesten afrikanischen Events über 42,195 km, hat nachweislich viel bewirkt. Das Land am Nil ist durch ihn tatsächlich ins Laufen gekommen. Heute gibt es nicht nur Laufclubs in Kairo oder Alexandria, sondern auch Laufangebote zwischen Mittel- und Rotem Meer. Lauftreffs fast jeden Freitag in der riesigen Metropole Kairo sind schon zur Tradition geworden. Tausende, darunter auch viele Frauen, nehmen die Angebote der Cairo Runners und anderer Anbieter wahr.

Die Siegerinnen über 42,195 km: Mahamud Pilar (3:28:21,3), Isabel López (beide Spanien), Yuko Iriguschi (Japan) –
Foto: Diethard Steinbrecher

Das Jubiläum war uns Anlass, den Ausrichtern um Gasser Riad und den Sponsoren – darunter das Ministerium für Jugend und Sport – zu danken.

Gern blicken wir voraus: Am 12. Januar 2024 findet der Internationale Ägypten-Marathon Nr. 31 statt. Man sollte sich ihn vormerken.

Klaus Weidt

Alle 5 km ein Verpflegungspunkt – Foto: Klaus Weidt

Als Milde 1990 Oertel anrief… wurde aus zwei Berliner Neujahrsläufen ein gesamtdeutscher geboren. Das sollte unvergesslich bleiben. Klaus Weidt berichtet

author: GRR