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  • Martin Lauer (r.) - 110-m-Hürdenlauf beim Länderkampf Deutschland-Finnland im Volksparkstadion in Hamburg: Martin Lauer (r) siegt in 13,9 Sekunden und stellt damit einen neuen Europarekord auf (Archivfoto vom 22.09.1956).

    Martin Lauer (r.) – 110-m-Hürdenlauf beim Länderkampf Deutschland-Finnland im Volksparkstadion in Hamburg: Martin Lauer (r) siegt in 13,9 Sekunden und stellt damit einen neuen Europarekord auf (Archivfoto vom 22.09.1956). © picture-alliance/ dpa
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Auf abgefahrenen Reifen – Leichtathletik-Historie -Martin Lauers Hürden-Weltrekord über 110 Meter Hürden – Michael Gernandt in der Süddeutschen Zeitung

Bei Olympia 1964 hatte Lauer, der 1956 in Melbourne als 19-Jähriger schon Fünfter war und 1960 wegen seiner Schmerzen verzichten musste, den Gipfel der Königsdisziplin erklimmen wollen. Man hätte gern erfahren, wie es ausgegangen wäre. Martin Lauer heute: „Ich auch.“

Es war der Höhepunkt einer unvollendeten Karriere: Martin Lauers Hürden-Weltrekord über 110 Meter Hürden  jährt sich an diesem Dienstag zum 50. Mal.

Willi Daume ließ Kanapees reichen. Mit Kaviar. Derart protzig aufzufahren, hätte Deutschlands höchstrangiger Sportfunktionär besser bleiben lassen sollen, konnte man doch seinen Gast mit der Delikatesse jagen. Nun war der zu Daume gebetene Martin Lauer erst recht nicht bereit, von seinem Standpunkt abzurücken.

Der in München diszipliniert Maschinenbau studierende Kölner Weltklasse-Leichtathlet hatte sich über den Amateurparagraphen mokiert und so den Unwillen der Sittenwächter im olympischen Sport erregt. Es sei an der Zeit, tat Lauer kund, ihn für seine Siege nicht mehr länger mit unnützen Silberpokalen auszuzeichnen, damit könne er sein teures Studium nicht finanzieren.

Und außerdem: Die abgefahrenen Reifen seines Käfers müssten dringend gewechselt werden.

Als die SZ die Karikatur eines Athleten auf dem Treppchen publizierte, der statt mit Lorbeerkranz auf dem Kopf mit Autoreifen um den Hals zu sehen war, bat Daume, ein Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), den Aufmüpfigen zur Kopfwäsche. Die endete: mit einer Gegeneinladung des unnachgiebigen Leichtathleten. Daume möge sich, um Einblick in sein bescheidenes Studentendasein zu bekommen, doch bitte mal seine Bude im Münchner Stadtteil Haidhausen anschauen. „Daume ist nie erschienen“, sagt der inzwischen 72 Jahre alte Lauer heute, ein halbes Jahrhundert später.

Dauerhafter Ruhm dank 13,2 Sekunden

Wann genau das Kaviarfrühstück stattfand, das eine Ahnung vermittelt vom Aufbegehren des ausgeschlafenen Athleten Lauer (und weiterer damaliger Asse wie 100-m-Sprinter Armin Hary und 400-m-Läufer Carl Kaufmann) gegen ewiggestrige Altvordere und ihre verstaubten Regeln, daran kann sich Martin Lauer heute nicht mehr erinnern: „Irgendwann zwischen 1959 und 1960.“

Mittendrin in diesem Zeitabschnitt liegt das Ereignis, das dem Kölner dauerhaften Ruhm beschert hat, zumindest in der Welt der Leichtathleten: der Züricher Weltrekordlauf über 110 Meter Hürden in 13,2 Sekunden.

An diesem Dienstag jährt er sich zum 50. Mal. Lauers Lauf für die Ewigkeit

Erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg war es einem deutschen Leichtathleten gelungen, einen Weltrekord zu verbessern; die alte Marke stand seit 1956 bei 13,4 Sekunden (Jack Davis/USA). Und nichts rückt Lauers Leistung in ein helleres Licht als die Ernennung zum „Athleten des Jahres“ 1959 durch das weltweit renommierteste Leichtathletik-Magazin Track and Field News („Die Bibel des Sports“).

Die jährlich vergebene und im Gegensatz zu Sportlerwahlen, die vorwiegend Marketinggesetzen gehorchen, fundiert belegte Auszeichnung hat bis heute kein deutscher Leichtathlet mehr erhalten; gleichwohl die fünf Athletinnen Rosemarie Ackermann (Hochsprung/ 1977), Marita Koch (Sprint/1978, ’79, ’82, ’85), Ilona Slupianek (Kugelstoßen/1980), Heike Henkel (Hochsprung/1991) und Heike Drechsler (Weitsprung/1992).

Ein Weltrekord für zwischendurch

Lauers Zeit, zwischen zwei Vorlesungen und nach einer ausgiebigen Segelpartie auf dem Zürcher See abends im Letzigrund erzielt, hatte 14 Jahre Bestand, ehe sie der Amerikaner Rodney Milburn, Olympiasieger von 1972, auf 13,1 steigerte, erneut in Zürich. Lauers 13,2 wären, umgerechnet auf elektronische Messung und eine synthetische Laufbahn, auch heute noch ein hoher Wert, wenigstens in Europa.

Warum er den Nachweis nicht liefern konnte, selbst noch schneller zu sein und 1960 Hürden-Olympiasieger zu werden (er wurde schließlich Vierter hinter drei Amerikanern, gewann jedoch mit der deutschen 4×100-m-Staffel Gold), ist im Lauf der Jahrzehnte oft geschildert worden: Blutvergiftung als Folge einer nicht sterilen Spritze, die er gegen den Dauerschmerz im Sprunggelenk erhielt, Amputationsgefahr, Ringkampf mit dem Tod, Rückzug vom Sport 1961.

Bedauert haben diesen Schicksalsschlag vor allem auch die Zehnkampffreunde, die in Lauer den größten Allroundathleten sahen, den die deutsche Leichtathletik je besaß. Bei Olympia 1964 hatte Lauer, der 1956 in Melbourne als 19-Jähriger schon Fünfter war und 1960 wegen seiner Schmerzen verzichten musste, den Gipfel der Königsdisziplin erklimmen wollen.

Man hätte gern erfahren, wie es ausgegangen wäre.

Martin Lauer heute: „Ich auch.“

Michael Gernandt in der Süddeutschen Zeitung, Dienstag, dem 7. Juli 2009

Aus Wikipedia:

Martin Lauer (* 2. Januar 1937 in Köln) ist ein ehemaliger deutscher LeichtathletOlympiasieger und Schlagersänger.

 

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Leben

Martin Lauer, Mitglied des Sportvereins ASV Köln, erzielte als Hürdenläufer über die 110 Meter große Erfolge. Bei einer Körpergröße von 1,86 Meter betrug sein Wettkampfgewicht 76 Kilogramm. Als einer von wenigen Europäern konnte der 16-malige Deutsche Meister über diese Strecke in die Phalanx der Vereinigten Staaten einbrechen, die bis dahin fast übermächtig waren.

Am 7. Juli 1959, ein Jahr vor seinem Landsmann Armin Hary, gelangen Martin Lauer im Zürcher Letzigrundinnerhalb einer Dreiviertelstunde in zwei Läufen drei Weltrekorde[1]. Zuerst stellte er eine Bestzeit von 13,2 Sekunden über die Hürden-Sprintdistanzen von 110 m und 120 Yard (109,73 m) auf, ehe er auch die Bestzeit über die 200-Meter-Hürden-Strecke in 22,5 Sekunden erreichte, nachdem der zuvor unterlegene US-Amerikaner Willie May um eine Revanche gebeten hatte. Seine Rekordzeit über die 110 Meter Hürden blieb bis 1972 unerreicht.

Olympische Spiele  

Zu den Olympischen Spielen 1960 in Rom reiste er mit gesundheitlichen Problemen an, da er aufgrund einer Knochenhautentzündung im Fußgelenk nur eingeschränkt trainieren konnte, so dass er auf einen Doppel-Start über 110 Meter Hürden und im Zehnkampf verzichten musste. Dennoch trat er in seiner Paradedisziplin an, dem Hürdensprint über die 110 Meter und wurde Vierter, wie schon vier Jahre zuvor. Dennoch gewann er in Rom, an der Seite von Bernd CullmannArmin Hary und Walter Mahlendorf, mit der 4 × 100 m Staffel in Weltrekordzeit die Goldmedaille. In seiner Heimatstadt begab er sich nach den Spielen in ärztliche Behandlung; ihm wurden drei Spritzen verschrieben, die er sich wegen der bevorstehenden Examensarbeiten in München geben ließ, wo er Maschinenbau studierte. Dabei stellte sich aber heraus, dass eine der verabreichten Spritzen nicht ausreichend sterilisiert war, was zu einer Blutvergiftung und beinahe zur Amputation seines Beines führte. Es folgte ein fast einjähriger Aufenthalt im Krankenhaus, der gleichzeitig das Ende der aktiven Sportlerkarriere markierte. In diese Zeit fiel auch der Unfalltod seiner damaligen Freundin, die nach einem Besuch an seinem Krankenbett auf der Autobahn bei Augsburg zusammen mit seinem Bruder Fredy verunglückte, der Jahre später an den Unfallfolgen verstarb.

Karriere als Schlagersänger

Die nötigen Behandlungen, vor allem aber die Prozesse aufgrund des Ärztefehlers gegen die Versicherung des Krankenhauses brachten ihn in finanzielle Schwierigkeiten, so dass er noch im Krankenhaus mit dem Schreiben von Liedtexten begann, um damit Geld zu verdienen. „Ich war ja als singender Sportler bekannt. Hatte immer eine Gitarre unterm Arm …“ [1] Völlig erschöpft im Rechtsstreit mit dem Krankenhaus stimmte er schließlich einem Vergleich zu, der ihm eine Entschädigung von 45.000 Mark[1] zusprach, die nach eigener Aussage die Kosten bei weitem nicht deckte.

Noch während seinen Krankenhausaufenthalts ließ Lauer dem Musikproduzenten und Liedtexter Kurt FeltzTonbandaufnahmen zukommen. Dieser zeigte sich begeistert und Lauer unterschrieb nach seiner Entlassung im Januar 1962 einen Plattenvertrag bei dem erfolgreichen Label Polydor. Noch im gleichen Monat entstanden die Aufnahmen zu seiner ersten Single Sacramento. Mit diesem und neun weiteren Titeln im Country-Stil war Lauer bis 1966 regelmäßig in den deutschen Hitlisten vertreten. Insgesamt wurden etwa sechs Millionen seiner Platten, mit Titeln wie Taxi nach TexasDie letzte Rose der Prärie oder Wenn ich ein Cowboy wär’, verkauft. [1] In mehreren Fernsehshows trat er zusammen mit bekannten Künstlern auf, darunter Lou van BurgUdo Jürgens und Peter Alexander.

Weitere berufliche Stationen  

Bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio war er als Journalist tätig und arbeitete, nachdem er sein Maschinenbau-Studium als Diplom-Ingenieur beendete, als Spezialist für die Natriumkühlung bei Kernreaktoren, so konzipierte er beispielsweise den Schnellen Brüter in Kalkar mit. Außerdem arbeitete er an der Konzipierung des ersten Mikrocomputers mit und war bei den Olympischen Spielen 1972 in München für die Einführung der elektronischen Zeitmessung[2] verantwortlich. Weitere Betätigungsfelder Lauers waren die Geschäftsführung einer Beteiligungsgesellschaft sowie sein Wirken als Unternehmensberater und Kolumnist verschiedener Zeitungen. 1988 ging er in den Ruhestand. Lange Jahre half er mit, das auch international bekannte Sportfest des ASV Köln zu organisieren.

Privat 

Lauer ist verheiratet und lebt seit Abschluss seines Studiums in Lauf a. d. Pegnitz. Dort ist er Stadtrat.

Sportliche Erfolge

  • acht deutsche Jugendmeistertitel, davon fünf bei einer einzigen Meisterschaft[1]
  • 1958 wurde er Europameister über 110 m Hürden.
  • Am 29./30. August 1959 stellte Martin Lauer in Düsseldorf mit 7955 Punkten einen deutschen Zehnkampfrekord bei den Deutschen Meisterschaften auf

Auszeichnungen