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    Martha Jacob, die Deutsche Meisterin im Speerwerfen (21. Juli 1929 in Frankfurt/M.) © Sportmuseum Berlin – Forum für Sportgeschichte
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Sport unter dem Davidstern – Gedenktafel für Martha Jacob wird am Sonntag im Berliner Mommsenstadion eingeweiht – Ein weiterer sportlicher Höhepunkt war die Deutsche Leichtathletikmeisterschaft am 21. Juli 1929 in Frankfurt/ Main

Internationale Wanderaustellung zur Geschichte der jüdischen Sportkultur – Die Ausstellung ist eine Gemeinschaftsproduktion des Sportmuseum Berlin, des Schweizer Sportmuseum Basel, des Pierre Gildesgame Maccabi Sportsmuseum in Ramat Gan (Israel) und der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannseekonferenz.

Angesichts der beunruhigenden Zunahme rechtsextremistischer Aktivitäten in Deutschland, vor allem wegen der unverhüllten antijüdischen Randale während eines Regionalligaspieles des Berliner Fußballverbandes haben sich das Sportmuseum Berlin – Stadtmuseum Berlin und das Haus der Wannseekonferenz kurzfristig entschieden, die Internationale Wanderausstellung „Sport unter dem Davidstern“ wieder in Berlin zu zeigen und damit die Geschichte des jüdischen Sports bis 1945 erneut in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken.

Gedenktafel zur Erinnerung an die jüdischen Sportlerinnen und Sportler

Besonderer Anlaß für den gewählten Zeitpunkt ist die Einweihung einer Gedenktafel des SCC Berlin im Mommsenstadion zur Erinnerung an die jüdischen Sportlerinnen und Sportler, die 1933 aus dem Verein ausgeschlossen worden sind. Eine Würdigung, die zwar viel zu spät erfolgt, aber dennoch ein wohltuendes Signal in der Auseinandersetzung mit dem erstarkenden Neonazismus in Deutschland ist. Über die ausgeschlossene SCCerin Martel Jacob informiert sie der beiliegende Beitrag, der zurerst in „Sport in Berlin“ Mai 2006, S. 20 veröffentlicht wurde.

Die Ausstellung ist eine Gemeinschaftsproduktion des Sportmuseum Berlin, des Schweizer Sportmuseum Basel, des Pierre Gildesgame Maccabi Sportsmuseum in Ramat Gan (Israel) und der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannseekonferenz. 

Sie gibt anhand von eindrucksvollen Bild-Text-Tafeln einen Überblick über die Entstehung und Entwicklung der jüdischen Sportkultur bis 1945. Die internationale Dimension des jüdischen Sports und die dem Zionismus nahe stehende Makkabi-Sportbewegung stehen dabei im Mittelpunkt. Es wird jedoch ebenso auf konkurrierende jüdische Sportorganisationen sowie auf jüdische Sportlerinnen und Sportler in anderen Sportvereinen hingewiesen.

55.000 Besucher

Die Exposition entstand anlässlich des 100. Jahrestages des I. Zionistischen Kongresses 1997 in Basel und des 100-jährigen Gründungsjubiläums des ersten national-jüdischen Turnvereins in Deutschland „Bar Kochba Berlin“ 1998. Sie erinnert an die Ideale und Leistungen der jüdischen Sportkultur, aber auch an Bedrängnis und das unermessliche Leid, das jüdischen Sportlerinnen und Sportlern während des NS-Regimes zugefügt wurde.

1998 wurde die Exposition erstmals in Basel und anschließend an unterschiedlichen Standorten in Berlin und Deutschland, darunter Hannover, Bremen und Laupheim, der Geburtsstadt von Gretel Bergmann (jüdische Leichtathletin, der die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1936 verwehrt wurde), gezeigt. 

Bisher haben ca, die Ausstellung gesehen, zuletzt war sie anläßlich des Internationalen Deutschen Turnfestes im Mai 2005 zu Gast im Jüdischen Museum Berlin.

Die Veranstalter bedanken sich ganz besonders bei der Senatssportverwaltung und der Verwaltung des Olympiapark Berlin, ohne deren freundliche und unbürokratische Unterstützung die kurzfristige Wiederaufnahme der Makkabi- Ausstellung in das Programm des Sportmuseum Berlin nicht möglich gewesen wäre.

Die Ausstellung ist zweisprachig (deutsch-englisch). Eine Ergänzung der Bild-Text-Tafeln mit originalen Exponaten ist am derzeitigen Standort vorläufig noch nicht möglich, ist aber für die nahe Zukunft geplant.

Ort: Sportmuseum Berlin
Olympiapark Berlin – Haus des Deutschen Sports
Hanns-Braun-Straße
14053 Berlin
U 2, 12 min Fußweg
Termin: ab 6. November 2006 bis auf Weiteres
Öffnungszeiten: vorläufig Mo – Fr 10.00 – 14.00 Uhr (Winterhalbjahr)
Eintritt: in den Olympiapark Berlin: 1,- €, ermäßigt 0,50 €
in die Ausstellung: freier Eintritt

Führungen/

Veranstaltungen: ab Februar 2007
Informationen/: Tel.: 030 – 3 05 83 00;
Anfragen
E-Mail: Sportmuseum.Berlin@t-online.de

Gedenktafel für Martha Jacob im Berliner Mommsenstadion

Martha (Martel) Jacob wurde am 7. Februar 1911 als Tochter von Minna und Adolph Jacob in Berlin geboren. Ihre Mutter verstarb bereits fünf Tage nach ihrer Geburt und ihr Vater überlebte drei Monate später eine Grippe nicht, so daß Martel von nahen Familienangehörigen erzogen wurde. In der Tile-Wardenberg-Str. 26 im heutigen Hansaviertel am Ufer der Spree wuchs sie in einer gutbürgerlichen Umgebung auf.

Ihre ersten sportlichen Erfahrungen machte sie im Verein Bar Kochba Berlin, in dem sie seit 1917 turnte, Gymnastik und Eurythmie kennenlernte. Mit 13 Jahren gewann Martel 1924 einen Frauen-Waldlauf über 2 km. Da die jüdischen Sportvereine der damaligen Zeit, nicht die Struktur für eine hochklassige Trainings- und Betreuungsleistung boten, trat Martel dem Berliner Sport-Club (BSC) bei, ohne aber ihre Mitgliedschaft bei Bar Kochba aufzugeben.
Beim BSC spielte sie im Hockey- und Handballteam, errang eine Vielzahl von Preisen und guten Platzierungen in der Leichtathletik sowohl in der Junior- als auch in der Frauenklasse.

Olympische Spiele 1928

Schnell stellte sich Martels herausragende Begabung für das Speerwerfen heraus, so daß sie für diese Disziplin eine besondere Liebe entwickelte und schließlich im Herbst 1928 zum Sport-Club Charlottenburg (SCC) wechselte. Dort kam sie unter die Fittiche des legendären Trainers und Zehnkämpfers Arthur Holz und verbesserte rasant ihre sportliche Leistungsfähigkeit.

Ein besonderes Erlebnis stellte für Martel Jacob die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam dar. Martel studierte an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen (DHfL) mit dem Ziel Diplomsportlehrerin zu werden.

Die DHfL entsandte nach Amsterdam eine Gymnastik-Vorführgruppe, zu der auch Martel gehörte. Die Vorführung der Studentinnen und Studenten, die mit Geigen und Flöten auf dem Rasen einliefen, fand am 7. August 1928 im Amsterdamer Olympiastadion statt. Sie war ein überwältigender Erfolg, so daß die B.Z. am Mittag in der Nr. 216 ihren Bericht mit „Eine Offenbarung“ betitelte. Im April 1931verlieh das IOC der DHfL dafür den „Coupe Olympique“!

Deutsche Meisterin im Speerwerfen

Ein weiterer sportlicher Höhepunkt war die Deutsche Leichtathletikmeisterschaft am 21. Juli 1929 in Frankfurt/ Main. Dort schlug Martel Jacob die damalige Weltrekordhalterin Augustine Hargus und wurde mit 38,27 m zum ersten und einzigen Mal Deutsche Meisterin im Speerwerfen im Bereich der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik (DSB). Diesem Meistertitel folgte für Martel die Berufung in die Nationalmannschaft für den zweiten Frauenländerkampf gegen Großbritannien, der am 8./9. August 1929 in Düsseldorf ausgetragen wurde.

Hier revanchierte sich Augustine Hargus, sie gewann das Speerwerfen und Martel Jacob wurde zweite. Den Länderkampf gewann überraschend die deutsche Frauenmannschaft nicht zuletzt wegen des Doppelsieges im Speerwurf. Ende 1929 rangierte Martel (38,24 m) in der Weltbestenliste Speerwurf auf dem 5. Platz, in Deutschland lag sie auf Rang 2 hinter Tilly Fleischer (38,25 m)!

Eine Sensation war die Einladung der „British Women’s Athletic Federation“ an Martel, die britischen Leichtathletinnen im Frühjahr und Sommer 1931 für die Olympischen Spiele 1932 in Los Angeles zu trainieren. Natürlich nahm Martel diese Einladung an, sie war die erste ausländische Trainerin, die von der „British Women’s Athletic Federation“ engagiert worden war.

Studium

Am 21. Juni 1932 beendete Martel ihr Studium an der DHfL: Sie erhielt das begehrte Sportlehrerinnen-Diplom ausgehändigt und war nun in die Berufswelt entlassen. Für den SCC trat sie im August bei den Verbandsmeisterschaften an, wo sie Dritte im Fünfkampf wurde. Für Bar Kochba Berlin trat sie bei den Leichtathletikmeisterschaften des Deutschen Kreises des Makkabi-Weltverbandes am 11. September 1932 in Leipzig an und gewann dort das Diskuswerfen mit 38,38 m.

Nach dem Machtantritt der Nazis beschloß eine Delegiertenversammlung des SCC 1933 im vorauseilendem Gehorsam die Anwendung eines gegenüber der Nazi-Gesetzgebung verschärften Arierparagraphen. Gleichzeitig schloß der Verband Berliner Athletikvereine alle jüdischen Vereine und Sportler/innen aus demVerband aus.

Hazel Shores langer Atem und Geduld

Martel berichtet hierüber später: „I was evicted from the S.C.C in March 1933 because I was a Jew.“ 

Im April verließ Martel Jacob Berlin. Sie ging nach London, um dort ein neues Leben aufzubauen. Martel fand dort Arbeit als Gasttrainerin für Leichtathletik und startete gleichzeitig als jüdische Sportlerin bei vielen Makkabi-Sportfesten in Europa.
Ihren letzten Wettkampf in Berlin bestritt sie im Juli 1935 auf dem Grunewaldsportplatz bei einem internationalen jüdischen Sportfest.

Von Amsterdam aus konnte Martel Jacob im April 1936 mit einem Emigrantenvisum nach Südafrika exilieren. Dort heiratete sie 1940 Barney Shore und gebar zwei Töchter: 1942 Sandra und 1944 Hazel, die seit über zwanzig Jahren alles erforscht und in Ehren hält, was Martel Jacob betrifft, die am 13. September 1976 in Kapstadt verstarb.

Nur Hazel Shores langem Atem und Geduld sowie des Drängens des American Jewish Comitee ist es zu verdanken, daß sich der SCC nunmehr bereit erklärt hat, mit einer Gedenktafel seiner jüdischen Mitglieder zu gedenken.

Gerd Steins